Der
Inhaber des Zeppelin Museums Meersburg, Heinz Urban, besitzt das
größte private Zeppelin-Archiv mit zahlreichen Texten und Bildern,
die noch nie veröffentlicht worden sind. Darunter befinden sich
auch Aufzeichnungen des ehemaligen Bordingenieurs Conrad Müller,
der als Motorenkonstrukteur seine berufliche Laufbahn begann und
sich 1909 aus Begeisterung für die Luftfahrt vom Preußischen Luftschifferbataillon
als Bordingenieur engagieren ließ, nichts ahnend, welche Abenteuer,
Strapazen und Gefahren ihm bevorstanden. Graf Zeppelin persönlich,
über den man manches Interessante erfährt, sowie dessen Chefkonstrukteur
Ludwig Dürr wiesen ihn in die technische Führung des Luftschiffes
LZ 3 ein. Vom Heer wurde Conrad Müller zunächst in Metz und dann
in Köln eingesetzt. Dort lernte er auch das halbstarre Luftschiff
des Majors Groß und das unstarre des Majors Parseval kennen. Ein
Konflikt mit einem Hauptmann veranlasste ihn, das Militär zu verlassen
und in die Dienste der zum Luftschiffbau Zeppelin gehörenden Deutschen
Luftschifffahrt AG (DELAG) einzutreten. Von seinem Arbeitsort Baden-Baden
warb ihn Professor Johann Schütte ab, der in Mannheim den Bau der
Schütte-Lanz-Luftschiffe mit Holzgerippe begonnen hatte. Dieser
enttäuschte ihn aber sehr, weshalb er in München bei der Deutschen
Luftschiffwerft GmbH die Stelle des Chefkonstrukteurs annahm, welche
die Veeh-Luftschiffe mit Hilfe von Stahlrohren baute. Kaum ein anderer
Luftschifftechniker konnte so unterschiedliche Erfahrungen sammeln.
Nach vielen Unfällen, Pannen und Pleiten und nach dem Brand des
Marineluftschiffes LZ 18, bei dem auch Kameraden von ihm starben,
sah Conrad Müller in den Luftschiffen nur noch fliegende Krematorien,
mit denen er nichts mehr zu tun haben wollte.
Er wandte sich wieder dem Motorenbau zu, arbeitete bei verschiedenen
Firmen und wurde zum Mitbegründer der Bayrischen Motorenwerke (BMW).
Inzwischen hatte der Flugzeugbau enorme Fortschritte gemacht, weshalb
er mit seinem ehemaligen Kollegen Rapp Luftmotoren für das Militär
fertigte. Nach einem Streit kündigte er und wurde an die Westfront
als Leiter von Flugparks versetzt, welche die Maschinen zu montieren
und zu reparieren hatten. Das Kriegsende mit chaotischen revolutionären
Umtrieben erlebte er in München.
Als es 1924 dem Zeppelin-Chef Dr. Hugo Eckener gelungen war, ein
Reparationsluftschiff nach New York überzuführen, was weltweit riesiges
Aufsehen erregte, kam der bayrische Postminister auf die Idee, einen
Luftpostdienst mit einem Zeppelin-Luftschiff zu errichten, wozu
er Conrad Müller als technischen Leiter verpflichten wollte. Dieses
Angebot lehnte er ab, weil er im Luftschiff nur noch ein Traumfahrzeug
der Vergangenheit sah, dem Flugzeug aber die Zukunft gehöre.
Das Buch stellt einerseits den unbeschreiblichen Jubel beim Auftauchen
von Luftschiffen dar und andererseits die unglaublichen Strapazen,
Entbehrungen und Gefahren, welche die Pioniere der Luftfahrt zu
ertragen hatten. Etliche verloren dabei ihr Vermögen, ihre Gesundheit
und ihr Leben. Der Text, wurde von Rudolf Kaefer verfasst, der bereits
Aufsätze über Graf Zeppelin sowie Schriften über Hugo Eckener und
Alfred Colsman veröffentlicht hat. Er wird veranschaulicht durch
viele Bilder, die Heinz Urban aus seinem riesigen Fundus nehmen
konnte und die er in mühevoller Arbeit mit Hilfe moderner Digitaltechnik
von Flecken, Verfärbungen und Beschädigungen befreite, was dem Werk
einen besonderen optischen Glanz verleiht. Der Titel wurde der militärischen
Kommandosprache entnommen. Man hätten den Band auch schlicht "Das
Abenteuer Luftfahrt" nennen können.