Der Abschied von Metz
Nachdem nur noch in Netz ein Zeppelin-Luftschiff war, musste Conrad Müller dorthin zurück. Schiffskommandant war Hauptmann George und Sperling hatte die Gesamtleitung. Über den Untergang von LZ 5 wurde kein Wort verloren. Es fanden die üblichen Ausbildungsfahrten statt, zu denen eines Tages auch der Luftschiffbauer Professor Johann Schütte kam, der ein Starrluftschiff aus Furnierholz bauen wollte. Bei seiner ersten Fahrt gab er sich sehr mutig und aufgeschlossen und suchte die Geneigtheit des Bordingenieur zu gewinnen.Im Herbst 1910 war eine neue Fahrperiode angesetzt worden. Inzwischen hatte Alfred Colsman, der Geschäftsführer der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, die erste Luftreederei der Welt gegründet, die Deutsche Luftschifffahrts-AG, genannt DELAG. Für sie führte Dr. Hugo Eckener eifrig die Propagandafeder, was einen Streit mit den Militärs verursachte, die das Starrluftschiff ablehnten. Colsman telegraphierte einmal nach Netz und lud Conrad Müller zum Abendessen ein, der dabei durchblicken ließ, dass ihm die Arroganz der Offiziere missfalle und er deshalb versuche, weg zu kommen. Direktor Colsman meinte dagegen, er solle bleiben, weil sonst gar kein Verfechter des starren Systems mehr beim Militär wäre. Auf die Passagierluftfahrt unter der Leitung von Dr. Eckener setze er große Hoffnungen.
Bei den Ausbildungsfahrten waren oft die Gaszellen leer geworden, weil die Ventile zeitweilig undicht waren. Erneuern konnte man sie nur bei leeren Zellen. Die Arbeit war etwas schwierig, weil man vom Hallendach, angeschnallt mit Gurt und Seil, herab gelassen werden musste. Als Conrad Müller einmal so in den Seilen hing, kam ein Feldwebel und forderte ihn auf, sofort zu Hauptmann George zu kommen. Er erwiderte, dies könne erst geschehen, wenn die Arbeit beendet sei. Der Feldwebel kam gleich wieder zurück und
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