Dieses Buch basiert zum größten Teil auf zwei unveröffentlichten Biografien über Heinrich Mathy die D. Robinson verfasst hat. Es stellt keine wissenschaftliche Ausarbeitung dar.

Vorwort

Warum Heinrich Mathy? Kapitänleutnant und Kommandant eines deutschen Luftschiffes der Kaiserlichen Marineluftschiffabteilung im Ersten Weltkrieg. Er ruht seit nun fast 100 Jahren neben seiner Besatzung auf einem Soldatenfriedhof in England. Warum fesselt einen dieser Soldat, Mensch, Ehemann und Vater?

Wie war er als Kommandant und Vorgesetzter? Wie schaffte er es seine Besatzung dazu zu bringen, mit ihm in den Tod zu fahren? Wie schaffte er es, dass sie ihm blind Vertrauten und sogar nach seinem Tod noch von Überlebenden gesagt wurde: ,,Der einzige, der einen Heil nach London und zurück bringen konnte war Heinrich Mathy."? Er musste unglaubliche Führungs- und Motivationsqualitäten gehabt haben, die zur damaligen Zeit noch nicht sehr verbreitet waren. Er schaffte es eiserne Disziplin mit lockerem Umgang zu kombinieren und wurde deswegen von seinen Leuten verehrt und sogar geliebt. Seine Besatzung stand immer an erster Stelle und er hielt einige Male für seine Männer den Kopf hin. Das Hierarchiegefälle zu seiner Crew war nicht sehr gr, er hörte auf seine Jungs und erhielt im Gegenzug immer ihre beste Leistung. Ein wenig kann man ihn sogar mit dem berühmten Shackleton vergleichen, der es schaffte, dass alle seine Männer 635 Tage im ewigen Eis überlebten (bis heute ein Paradebeispiel für den perfekten Kommandanten).

Hätte Heinrich Mathy nur ein paar Monat länger überlebt, rde er heute sicher in einem Atemzug mit von Richthofen, Boelke oder Immelmann genannt werden. Er wäre von der Deutschen Kriegspropaganda als Held aufgebaut und vom ganzen Land, und vor allem von den Soldaten in den Schützengräben, verehrt worden. Warum aber kennt ihn heute fast niemand mehr? Ein Grund wird sein, dass er nie den Blauen Max, den Orden Pour le Merite, die chste Auszeichnung, die das Deutsche Kaiserreich an seine Soldaten verlieh, bekam. Er und seine Besatzung hätten nur noch zwei Kriegsfahrten nach England benötigt und dann wäre der Kommandant von L - 31 wahrscheinlich damit ausgezeichnet worden.

Douglas Robinson schrieb, die Deutschen lieben keine Verlierer und verweigerten ihm deshalb die Anerkennung. Das kann aber so nicht stimmen, denn auch von Richthofen und seine Kameraden aus den Jastas, die schlussendlich im Kampf gefallen sind, wer- den bis heute verehrt. Die Jagdflieger haben natürlich einen entscheidenden Vorteil, ihre Erfolge drucken sich direkt in Zahlen aus und sind so sehr anschaulich und nach- vollziehbar r jedermann. Als Kommandant eines Marineluftschiffes hat man es da um einiges schwerer. Was bedeuten schon über 100 Aufklärungsfahrtenfahrten und 13 Feindfahrten nach England gegenüber 83 bestätigten Abschüssen von Feindflugzeugen. Wenn man sich dann allerdings klar macht, dass dieser Mann, zusammen mit seiner Crew und seinem Zeppelin, für 1/3 der gesamten Schäden verantwortlich ist, die in England im Ersten Weltkrieg von Deutschen Luftschiffen und Bombern verursacht